Archive for April 2009

Wie man Schritt für Schritt eine Echtzeitüberwachung einführt

Am Beispiel von Deutschland kann man das gerade recht schön beobachten. Zunächst wird eine Sperre für Kinderpornografie beschlossen, die eigentlich in sich schon komplett am Ziel vorbei schrammt. Warum?

1) Material wie dieses wird in den seltensten Fällen über ganz normale Websites ausgestauscht.
2) Falls doch: Wäre es nicht besser, die Verantwortlichen für die Inhalte (über deren Provider) raus zu forschen und so eine Löschung zu veranlassen anstatt die Seiten einfach nur (über umgehbare Mechanismen) zu sperren? Würde vielleicht den Opfern auch mehr helfen.
3) Die Sperren sind umgehbar.
4) Es ist nicht zu verantworten das eine derartige Sperrliste und die damit verbundene Macht bei einer Behörde liegt.
5) In anderen Ländern wo es solche Sperren bereits gibt sind die Listen (siehe Artikel im letzten ct) über kurz oder lang im Internet aufgetaucht. Übrigens hat das ct testweise sich so eine Liste organisiert und ein paar Hoster der Seiten angeschrieben: Die Seiten waren innerhalb kürzester Zeit vom Netz genommen. Offenbar also eine viel effizientere Methode.

Aufhorchen lässt aber die aktuelle Meldung auf heise.de. Offenbar sollen Zugriffe auf die gesperrten Seiten nun entgegen anfänglicher Behauptungen in Echtzeit überwacht werden. Zitat heise:

Staudigl bestätigte in diesem Kontext, dass jeder Nutzer mit Strafverfolgung rechnen muss, wenn er dabei beobachtet wird, eine geblockte Webseite abzurufen: Ein “aufgrund der Umleitung zur Stoppseite erfolgloser Versuch, eine Internetseite mit kinderpornographischem Material aufzurufen, erfüllt die Voraussetzungen dieses Straftatbestands und begründet daher den für strafrechtliche Ermittlungen notwendigen Anfangsverdacht”. Die Unschuldsvermutung gelte aber weiterhin, denn “den Nachweis des Vorsatzes müssen selbstverständlich die Strafverfolgungsbehörden führen”.

Falls das Gesetz wie geplant in Kraft tritt, sollte sich allerdings jeder Internetnutzer genau überlegen, ob er noch unbekannte Webadressen ansurft. Geriete man etwa versehentlich oder durch böswillige Hinweise provoziert zu einem Stoppschild, würde dann de facto eine Hausdurchsuchung oder Schlimmeres drohen. Auch dies bestätigte Staudigl: “Ob und gegebenenfalls wer sich strafbar gemacht hat, wird regelmäßig erst durch die sich daran anschließenden strafrechtlichen Ermittlungen geklärt werden können.”

Das kam mir doch von Anfang an spanisch vor

Im Moment geistert folgender Artikel durch alle Blogs, Kommentare und wird auch tüchtig per E-Mail verschickt:

Zitat

KRISE? Ja oder nein?

31. März 2009

Übersetzung aus dem Spanischen vom 15. 3. 2009
Eine einfache Rechnung und ein eindrucksvolles Ergebnis.

Eine Überlegung und eine einfache Kalkulation, gesandt von einem spanischen Fernsehzuschauers an CCN.

Der Plan zur Rettung der Banken mit dem Geld der Steuerzahler, der zurzeit im Amerikanischen Kongress diskutiert wird, wird die unvorstellbare Summe von 700 Milliarden Dollar kosten, obwohl man den Banken bereits 500 Milliarden Dollar übergab und die europäischen Regierungen ihrerseits Milliarden an die von der Krise betroffenen Banken übergeben werden.

Um sich die Dimension dieser Ziffern überhaupt vorstellen zu können, machte ein spanischer Fernsehzuseher folgende Kalkulation:

Auf dem Planet Erde leben derzeit 6,7 Milliarden Einwohner. Wenn man „ nur“ die 700 Milliarden (amerikanischen) Dollar durch die 6,7 Milliarden Bewohner der Erde teilt, bedeutet dies, dass

jeder einzelne Bewohner der Erde 104 Millionen Dollar erhalten würde.

Mit dieser Summe könnte man nicht nur sofort die gesamte, weltweite Armut ausmerzen, sondern es würde jeder Erdenbewohner automatisch zum Millionär werden.

Der Fernsehzuseher, kommt zu dem Schluss:

„Es scheint allerdings, dass es ein kleines Problem mit der Verteilung des Reichtums geben wird.“

Machen wir eine kleine Rechnung, viel einfacher und näher liegender, – also von den Spaniern.

Der spanische Staat unterstützt die Banken derzeit mit 30 Milliarden Euros, die aus den Geldbörsen der Spanier stammen.

Der Staat wird 30 Milliarden Euros Schulden den Banken abnehmen, um deren finanziellen Kollaps zu vermeiden.

Spanien hat nach der aktuellen Einwohnerliste von 2008 46.063.511 Einwohner.

Machen wir also folgende Rechnung:

30.000.000.000,– von Euritos !!!!!!!!!! – geteilt durch 46.063.511 Einwohner ergibt

652,18 Millionen Euros für jeden Spanier!

Unter der Annahme, dass im Durchschnitt jede Familie aus 4 Personen besteht, würde auf jede Familie 2.608,72 Millionen Euros entfallen.

Schau mal, mit dieser Summe könnten wir doch locker unsere Hypotheken bezahlen.

Das ist die Krise.

Es zahlt sich aus, uns für dumm anzusehen.

Sowohl die Regierung als auch die Opposition lachen über uns.

Und wir? Machen wir gar nichts?

Zitat Ende

Es hat mich schockiert, wie sehr wir alle (mich eingeschlossen) dazu neigen so etwas sofort zu glauben und gleich weiter zu erzählen und weiter zu verbreiten. Obwohl mir die enthaltenen Rechnungen von Anfang an komisch vorkamen, wenn ich sie um Kopf überschlug.
Natürlich halten sie einer Überprüfung nicht stand. 700 Milliarden geteilt durch 6,7 Milliarden sind natürlich nicht 104 Millionen sondern 104. Und auch alle anderen Rechnung stimmen um viele  Kommastellen nicht.

Also ganz so einfach ist die Geschichte wohl doch nicht. Auf jeden Fall sieht man, wie wichtig es ist das wir uns alle wieder angewöhnen, Informationen zumindest einer grundlegenden Überprüfung zu unterziehen, bevor wir sie weiter verbreiten.