GPLpos – Beispiel für Risiken bei Free Open Source Software?

Die Registrierkassenpflicht in Österreich geht in die heiße Phase. Mit 01.04.2017 müssen alle Registrierkassen über eine Signatureinheit verfügen und Belege entsprechend signieren. Ein Vorgang der für die Softwareentwickler nicht ganz einfach ist und doch ein gewisses Maß an Wissen über Kryptographie und gängige Signaturverfahren erfordert.

Ende 2015 wurde dazu das Projekt GPLpos ins Leben gerufen. Ein Fork der durchaus bewährten Open Source Software Unicenta. Durchgeführt wurden im wesentlichen Übersetzungen von Textbausteinen der Software sowie Anpassungen von Icons. Zudem das vollmundige Versprechen, dass dieser Fork rechtzeitig alle gesetzlichen Anforderungen der Registrierkassensicherheitsverordnung (RKSV) erfüllen wird.

GPLpos verzeichnet seitdem etwa tausend Downloads. Hunderte Anwender sind in der Hoffnung, eine kostenlose und gesetzeskonforme Registrierkasse zu bekommen auf den Zug aufgesprungen und haben ihr Unternehmen auf GPLpos ausgerichtet. Die Weinbauschule Eisenstadt zum Beispiel hat einige vorbildlich verfasste Tutorials inklusive Videos erstellt und die Software damit weiter bekannt gemacht. Auch andere IT Dienstleister sind aufgesprungen und haben die Software ihren Kunden angedeihen lassen.

Seitdem gab es kein neues Release von GPLpos. Es blieb ein Unicenta mit ein paar minimalen Anpassungen, die ein Laie in 20 Minuten hätte erledigen können. Dass die RKSV noch rechtzeitig in die Software integriert wird ist mehr als unwahrscheinlich. Alleine wir haben bereits um die 50 GPLpos Anwender auf unsere Cashbee umgestellt.

Was ist passiert?
Im wesentlichen wurde dem Autor geglaubt. Wenn jemand eine Software publiziert, neigen wir dazu ihm zu glauben dass er auch die Weiterentwicklung auf die Reihe kriegt. Und wer mich kennt weiß, dass dieser Blogpost garantiert kein Statement gegen Open Source Software wird. Weil Open Source Software großartig ist und die gesamte IT Welt mitsamt dem Internet wäre heute ohne Open Source nicht so weit wie sie ist. Aber es gibt eben auch Gefahren. Die „No Warranty“ Gefahr quasi. Freie, kostenlose Open Source Software nimmt auch den Anwender in die Pflicht. Ihm muss klar sein, dass er etwas kostenlos bekommt, sich aber im Gegenzug auch auf nichts verlassen kann. Das Leben ändert sich, auch das von Open Source Entwicklern. Eines Tages fehlt zum Beispiel schlicht die Zeit um etwas weiter zu entwickeln. Die Liste der anfangs vielversprechenden, aber mittlerweile eingestellten Open Source Projekte ist lang.